Theatermuseen von Moskau

1.Das Theatermuseum namens A.A. Bahruschin. Das A.A. Bahruschins Museum wurde am 29. Oktober 1894 von einem berühmten Moskauer Industriellen und Mäzen Aleksej Aleksandrowitsch Bahruschin (1865-1929) gegründet.

Aleksej Aleksandrowitsch Bahruschin gehörte einer der angesehensten in Moskau kaufmännischen Familien an. Bahruschins waren nicht nur erfolgreiche Unternehmer, sondern auch berühmte Wohltäter.

Seit seiner Jugendzeit hatte Aleksej Aleksandrowitsch eine Vorliebe für die Oper und besonders für das Ballett und schwärmte für die Meister des Maly-Theaters: Ermolowa, Fedotowa, Nikulin, Sadowskij, Lenskij. Bald verwandelte sich die Liebe zum Theater in eine echte Leidenschaft.

Aleksej Aleksandrowitsch näherte sich mehr und mehr der Theaterwelt, mit allerlei Kniffen und Pfiffen trieb verschiedene Gegenstände auf, indem der seine Sammlung anlegte: Theaterzettel, Jubiläumsschriften, Fotos mit Autogrammen, Hefte mit den Texten der Rollen, Ballettschläppchen, Handschuhen der Schauspielerin. Er suchte nach all diesen Sachen selbst und mit Hilfe von Freunden. Er wurde zum Dauerkunden von Altbuchhandlungen und Antiquitätenläden. Das Sammeln war seine Leidenschaft.

Aleksej Aleksandrowitsch zeigte seine Sammlung den Freunden am 11. Juni 1894. Am 30. Oktober des gleichen Jahres organisierte Bahruschin im Elternhaus in Koschewniki die Ausstellung für alle Wünschenden. Diesen Tag hielt er für das offizielle Gründungsdatum seines Museums. Die altehrwürdigen Musikinstrumente und Noten, Autogramme und die Handschriften der Schauspieler, der Schriftsteller, der Dramatiker; Porträts, Bilder und Theaterskizzen, Werke von Korowin, Kustodiew, die Sammlung von Theatergläsern und Frauenfächern, persönliche Gegenstande der Schauspieler, Gegenstände des Theateralltag – was es nicht alles in der Bahruschins im Laufe langer Jahre entstandenen Sammlung gibt! Sich von Tag zu Tag vervollständigend, brauchte sie neue Räume.

1897 wurde Bahruschin zum Mitglied des Rates der Theatergesellschaft Russlands und übernahm die Leitung vom Moskauer Theaterbüro. Mehrere Jahre leistete er eine große Arbeit in der Allrussischen Theatergesellschaft. Zur selben Zeit, im Jahr 1897 kandidierte er für die Stadt-Duma und wurde dort ein unersetzlicher Vortragender bezüglich der mit dem Theater verbundenen Fragen. Bahruschin ist unter anderem das ständige Mitglied der zahlreichen Ausschüsse, der Teilnehmer der Ausstellungsausschüsse, die mit dem Theater, mit der Kunst und der Geschichte verbunden sind.

Am 25 November 1913 wurde seine Sammlung der Russischen Akademie der Wissenschaften übergeben.

Die Museumssammlung ist zurzeit die größte Sammlung der Materialien zur Geschichte des vaterländischen und ausländischen Theaters in Russland, die über 1,5 Million Exponaten zählt.

— Die Abteilung der Bühnenbilder besteht aus den Entwürfen der Kostüme und der Dekorationen, die Porträt-Malerei, Porträt-Grafik, Porträt-Skulptur von Theaterschaffenden, Abbildungen von Theatergebäuden, Schauspielern, Theateraufführungen; Charge und Karikaturen, Muster der Bühnenbilder;

— Die Abteilung von Fotos und Negativen ist die zweite umfangreiche Abteilung im Museum. Sie schließt mehr als 500  000 Aufbewahrungseinheiten ein. Darunter sind die Fotos von Theaterstückszenen aus den Theaterstücken, Porträtaufnahmen der Schauspieler im Leben und beim Spielen, Fotos von Schriftstellern-Dramatikern, Regisseuren, Malern, Theaterunternehmern und von anderen Theaterschaffenden; Gruppenaufnahmen, Fotoaufnahmen von Theatergebäuden (drinnen und draußen). Ihre Zeitgrenzen sind von 1850er bis zum heutigen Tag;

— Die Abteilung von Anschlag- und Theaterzetteln ist die umfangreichste Sammlung des Museums. Sie enthält mehr als 600 000 Aufbewahrungseinheiten. Ihre Grundlage sind Anschlagzettel von kaiserlichen und privaten

Theatern. Das Theatermuseum verfügt über einzige Sammlung im Land von Anschlagzetteln der vorrevolutionären Provinz;

— Die Abteilung von Archivdokumenten und Handschriften ist die einmalige Sammlung der aktenmäßigen Denkmäler der Geschichte der vaterländischen Theater seit dem 18. Jahrhundert bis zum heutigen Tag. Zur Zeit befinden sich hier etwa 200 000 Aufbewahrungseinheiten.

Alle Dokumente gehören zum Privat- und Familienbestände, Archivsammlungen und widerspiegeln die Tätigkeit der kreativen Teams der Theater, das Leben und das Schaffen von Schauspielern, Regisseuren, Dramatikern, Komponisten, Choreographen, Historikern des Theaters, Bühnenmalern und ihr Umfeld. Hier finden Sie die Autorenhandschriften von Theaterstücken und Artikeln, Regisseurexemplaren von Stücken, Regisseurnotizen, Entwüfre, Texte der Filmrollen mit Markierungen der Schauspieler, Briefe, Tagesbücher, Notizbücher, Erlebnisberichte, Fotos vom Leben und beim Spielen, Programme, Anschlagzettel, persönliche Dokumente, Grüßadressen, Urkunden usw.

— Die Abteilung von Gedenkgegenständen enthält mehr als 7000 Aufbewahrungseinheiten. Ihr liegt die Sammlung zu Grunde, die noch vom Museumsgründer A.A.Bahruschin versammelt wurde. Solche Gegenstände wie die Sachen der Koryphäen der russischen und ausländischen Theaterbühne, Gedenkmedaillen, Auszeichnungen, Auszeichnungsmarken und Abzeichen, Theaters- und Alltageskostüme, Kunstgewerbegegenstände aus Glas und Porzellan, Kunstmetall, das Requisit für einzelne Theaterstücke, Gegenstände des Theateralltags.

Es gibt auch einen Sonderbestand von Gegenständen, der Edelmetalle und -steine enthält. Die Sammlung des Theaterkostüms gibt eine Vorstellung von der Bühnengeschichte und der künstlerischen Gestaltung der Theaterstücke, von der Kreativwerkstatt der Schauspieler und ihrem Spielplan;

— Die Abteilung der Kinder- und Puppentheater ist die jüngste im Museum. Der ganze Bestand der Abteilung zählt etwa 40 000 Museumsgegenstände und besteht aus vier einmaligen Sammlungen, die mit der Geschichte des Entstehens und des Werdegangs der Kindertheater im Land verbunden sind. Die Grundlage ist die Sammlung der Theaterpuppen, die ältesten Puppentheater: das Theater der Maler Efimows (Moskau), das Theater der Puppen- Marionetten unter Leitung von E. Demmeni (Petersburg) sind breit aufgestellt.

Im Museum werden Besichtigungen und thematische Führungen angeboten, die den Besucher in die Welt hinter den Kulissen eintauchen, in die Welt der Ballett- und Opernkunst. Im Museum werden vorläufige Ausstellungen durchgeführt, deren Grundlage die Vorratsunterlagen und die Museumsbestände sind. Außerdem veranstaltet das Museum Treffen mit prominenten Schauspielern, Schaffensabende und Vorlesungen zur Geschichte des Theaters unter Anwendung der einmaligen Bestandsmaterialien.

2.Das Museumshaus von M.S. Schtschepkin. In der Geschichte der russischen Kultur erwarb sich der Name von Michail Semjonowitsch Schtschepkin (1788 — 1863) mit Recht den großen Ruhm. Der Schaffsweg von Michail Semjonowitsch begann in der Provinz, in privaten Theatern. Mit blutendem Herzen und Mitleid erinnerte er sich an das tragische Schicksal der leibeigenen Schauspieler.

Nach einer glücklichen Erstaufführung in Moskau wurde Schtschepkin bald ins Kaiserliche Moskauer Theater eingeladen. 1822 zog er nach Moskau schon als ein freier Schauspieler. Das war die Goldähre „der aufgeklärten Theaterliebhaber“, die interessanteste Zeitspanne in der Geschichte des russischen Theaters, die Zeit der ziemlich komplizierten Theaterreformen. Das Theater im allgemeinem war damals unter Leitung der begeisterten, wissenden und es liebenden Menschen. Der Auftritt von M.S. Schtschepkin auf der Bühne der Kaiserlichen Moskauer Theater war das größte Ereignis in der Geschichte der Bühnenkunst. Die Truppe bekam den genialen Schauspieler in der Blütezeit seiner Begabung, der sich viel und unablässig an der Vervollkommnung der Rollen zu arbeiten gewöhnte.

Immer und überall behielt er die Eigenständigkeit seiner Meinung und den Humanismus bei. Der neue Umgang bereicherte ihn und führte ins ganze Zentrum des intellektuellen und ideenreichen Lebens der Epoche, eine deren Aufgaben war, die Suche nach Gesetzen der Gesellschaftsentwicklung. Und genau M.S. Schtschepkin war beschieden, diese Aufgabe im Bereich des Theaters zu lösen. Er war ein zum tiefen Mitleiden fähiger Mensch, der die Seele seines Volkes spürte. Er verfügte über die Fülle der Volksweisheit, das analytische Denkvermögen und das Talent. Sein Verdienst gegen das Theater besteht nicht nur in der Etablierung des künstlerischen Realismus in der Kunst, sondern auch im Zugang zur Entfaltung der Gesetze des schauspielerischen Schaffens.

Seine Schaffensmethode lag dem präzisen System eines anderen herausragenden Theaterschaffenden K.S.Stanislawski zugrunde. Und die Lehre von M.S. Schtschepkin inspiriert bis heute Theaterspieler der ganzen Welt. Mit der Zeit hat es sich erwiesen, dass die Mission von K.S.Stanislawski auf der Erde über das Theater hinausging. Sein Schicksal ist eng mit dem Schicksal Russlands verbunden. Als die profilierte Persönlichkeit leistete er seinen Beitrag zur Entwicklung der Kunst und des Gesellschaftsgedanken.

Das Museumshaus von M.S. Schtschepkin befindet sich in einem Altbauhaus, das Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde und ein einmaliges Denkmal der Geschichte und der Architektur ist. Das ist eines von vielen Gebäuden, das nach dem Moskauer Brand im Jahr 1812  erhalten geblieben ist. Hier wohnte die letzten vier Jahre seines Lebens Michail Semjonowitsch Schtschepkin. Im Museum sind die authentische Gegenstände ausgestellt: Bücher, Leinwände, Möbel, die Tasse, aus der der Hausbesitzer trank. Hier kann man in die Atmosphäre der Wärme und der Gemütlichkeit eintauchen, in die Atmosphäre der in diesem Haus herrschenden Liebe zum Theater.

Im Museum werden Führungen durchgeführt, während deren über das Leben und das Schaffen der großen Schauspieler, über seine Kindheit und seine Jugendzeit, über seine ersten Schritten auf der Bühne und künstlerisches Engagement im Maly Theater, dem er 40 Jahre seines Lebens widmete, erzählt wird. Viel Aufmerksamkeit wird der reformatorischen Tätigkeit von M.S.Schtschepkin zur Entwicklung der russischen Theater der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschenkt, außerdem seiner Freundschaft mit den herausragenden Wissenschaftlern und Kultur- und Literaturschaffenden: A.S. Puschkin, N.B. Gogol, T.G.Schewtschenko, I.S. Turgenew, S.T.Aksakow, T.N.Granowki, W.G. Belinski, A.I.Herzen, S.P.Schewirew und vielen anderen.

3.Das Tschechow-Kunsttheater-Museum in Moskau. Das Moskauer Kunsttheater wurde 1898 von K.S.Stanislawski und W.I.Nemirowitsch-Dantschenko gegründet und im Jahr 1919 ins Moskauer Akademische Kunsttheater umbenannt. Seit 1902 befindet sich das Theater in der Kamergerski-Gasse, im Gebäude des ehemaligen Lianosowki-Theater, das in demselben Jahr vom Architekten F.O. Schechtel umgebaut wurde. Es wird gemeint, dass dieses Kunsttheater seit dem Zusammentreffen von beiden seinen Gründern Wladimir Iwanowitsch Nemirowitsch-Dantschenko und Konstantin Sergejewitsch Stanislawski im Restaurant „Slawjanski Basar“ am 19. Juni 1897 existiere. Den Kern der Truppe bildeten die Absolventen aus der dramatischen Abteilung der Musikfachschule der Moskauer Philharmonischen Gesellschaft, wo Darstellendes Spiel W.I.Nemirowitsch-Dantschenko unterrichtete und die Schauspieler aus der „Gesellschaft der Kunst- und Literaturliebhaber“, die unter Leitung von K.S.Stanislawski stand. Die echte Geburt von diesem Kunsttheater ist mit den Theaterstücken von Tschehow und Gorki eng verbunden.

Während der Arbeit an den Theaterstücken wurde ein neuer Schauspielertyp geformt, der filigran die psychologischen Besonderheiten der Figur widerspiegeln konnte. Die Grundsätze der Regie bildeten sich heraus, die die gemeinsame Handlungsatmosphäre auf der Bühne zu schaffen anstrebten. Das Moskauer Kunsttheater ist das erste in der Welt, das die Spielplanreform vollbrachte, den eigenen Themenkreis schuf und sich mit deren konsequenten Ausarbeitung von einem Theaterstück bis zu anderem befasste.

Unter den besten Stücken des Moskauer Kunsttheaters sind „Wehe dem Verstand“ von A.S.Gribojedow (1906), „Der blaue Vogel“ M. Maeterlinck (1908), „Der Halbmond im Dorf von I.S.Turgenew“ (1909), „Hamlet“ von  William Shakespeare (1911), „Der eingebildete Kranke“ von Molière (1913) und andere. Seit 1912 fing man an, im Rahmen des Moskauer Kunsttheaters die Ateliers zu gründen, um Schauspieler nach Prinzipien dieses Theaters zu vorbereiten.

Seit 1923 gibt es das Museum beim Moskauer Kunsttheater. Die Grundlage seiner Sammlung bildete der Bestand der Dokumente zur Geschichte des Theaters samt dem privaten Bestand von Staniskawki, W.I.Nemirowitsch-Dantschenko und von anderen großen Schaffenden des Kunsttheaters.

Das Museum verfügt über die einmalige Sammlung der aktenmäßigen Bestände, Bühnenkostüme und Attrappen, Theatermalerei, Grafik, und Skulptur, Gedenkgegenstände, Theaterreliquien. Die ständige Exposition besteht aus dem Gedenkarbeitszimmer von W.I.Nemirowitsch-Dantschenko, der Künstlergarderobe von K.S. Stanislawski, dem Efremows Foyer und der Künstlergarderobe von O.N. Efremow.

4.Die Museumswohnung von W.I.Nemirowitsch-Dantschenko – eines der Gründer und der Leiter des Moskauer Kunsttheater. Im Haus 5/7 in der Glinischewki-Gasse wohnte Nemirowitsch-Dantschenko letzte fünf Jahre seines Lebens. 1944 wurde hier sein Gedenkmuseum eröffnet. Unberührt blieb die Ausstattung der Zimmer der alten Moskauer Wohnung erhalten. Die Ausstellungsgegenstände erzählen über das lange und fruchtbare Kunstleben des herausragenden Regisseurs, Dramatikers und Theaterpädagogen. An den Wänden des Arbeitszimmers hängen die Porträts und Fotos mit den von großen Kulturschaffenden Russlands geschriebenen Widmungen dem Hausbesitzer. In der Museumswohnung werden die Ausstellungen und die Besichtigungen durchgeführt, die dem Leben und der Tätigkeit von W.I.Nemirowitsch-Dantschenko gewidmet sind.

5.Das Museumshaus von K.S. Stanislawski. Das Einfamilienhaus Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Fundament der weißsteinigen Gemächer der 17.-18. Jahrhunderte gebaut. Seine Ausstattung ist im frührussischen Ampirstil gemacht.

Anfang der 20-er Jahre zog Stanislawski und seine Familie ins Haus Nummer 6 in der Leontjewski-Gasse. In diesem Haus vergingen letzte 17 Jahre seines Lebens. Die Staniskawskis Familie hauste im zweiten Stock, der in zwei Teile getrennt wurde: die Wohnzimmer (das Arbeitszimmer, der Speiseraum, das Schlafzimmer) und der Raum, in dem sich das Opernatelier befand, das vom großen Regisseur beim Bolschoi-Theater 1918 gegründet wurde. Das Atelier wurde später vom Bolschoi-Theater getrennt und 1924 wurde ihm den Namen von Stanislawski verliehen. Nach zwei Jahren wurde das Opernatelier ins Operntheater verwandelt. Der Onegins Saal galt als der Hauptraum im Atelier. Im Mai 1922 fand in diesem Saal die Erstaufführung der Oper von P.I. Tschaikowski „Eugen Onegin“ statt, die aus der Kraft von Lernenden unter Leitung von Stanislawski inszeniert wurde. Das Stück hatte einen so großen Erfolg, dass man zur Entscheidung kam, es auf der großen Theaterbühne vorzuführen.  Der Saal, in dem dieses wunderbares Stück geboren wurde, pflegte man der Onegins Saal zu nennen. Im Onegins Saal wurden auch andere Oper geprobt, an denen Stanislawski gearbeitet hatte: „Carskaja nevesta“ (Die Zarenbraut) (1926), „Maiskaja noč’“ (Mainacht) (1928) von Rimski-Korsakow, La Bohème von D. Puccini und andere. Zum Andenken an Konstantin Sergeewitsch steht im Saal bis heute sein Ledersessel. Als das Herz des Hauses gilt das Arbeitszimmer des Besitzers. Es ist der Zeuge seiner unermüdlichen Arbeit und der anstrengenden schöpferischen Suche. Hier schrieb Stanislawski seine Bücher „Mein Leben in der Kunst“ und „Die Arbeit des Schauspielers an sich“, die heute weltweit bekannt sind. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens, als er aus gesundheitlichen Gründen sein Arbeitszimmer nicht verlassen konnte, verwandelte sich es ins „Labor“. Hier besuchten den großen Lehrer seine Freunden und Lernenden.

Das Arbeitszimmer stoßt ans das Schlafzimmer an, in dem alles wie zu Lebzeiten des Hausbesitzers erhalten blieb. Im Speiseraum, das daneben liegt, hängen die alten Familienporträts der Verwandten von Staniskawski der Besitzer von der Gold-Kantillen-Fabrik in Moskau der Kaufmänner Alexeews und auch die Fotos von ihrem Haus, wo 1863 Kostja Alexeew geboren wurde. Mit 14 spielte er schon auf der Amateurbühne und 1885 legte er sich den Künstlernamen Stanislawski zu. Zwei kleine gemütliche Zimmer im Haus besaß die Frau von Konstantin Sergeewitsch die Schauspielerin der Moskauer Kunsttheater Marija Petrowna Lilina.

In den Zimmern des zweiten Stocks befindet sich die Exposition, die über die Tätigkeit von Stanislawski in der Sowjetzeit erzählt; über seine Arbeit am Schaffen der Etappentheaterstücke des Kunsttheaters „Die Tage der Turbins“ von Bulgakow (1926) und der Panzerzug 14-69 von Wsewolod Iwanow (1927). Die von Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko ausgebildeten Schauspieler und Regisseure brachten dem sowjetischen Theater den Ruhm.

6.Das Museumshaus von M.N. Jermolowa. Marija Nikolajewna Jermolowa (1853-1928) ist die russische Schauspielerin, die verdiente Bühnenkünstler der Kaiserlichen Theater. Jermolowa wurde am 3. (15.) Juli 1853 in Moskau als die Tochter des im Maly-Theater tätigen Souffleurs N.A. Jermolow geboren. 1863 ging sie auf die Kaiserliche Theaterschule,  wo sie zunächst eine Ballettklasse unter Leitung des berühmten Petersburger Balletttänzer F.N. Manohin besuchte Jedoch ließ sich die junge Jermolowa zunehmend für Schauspielerei statt für Ballett begeistern, und indem sie in der Theaterschule lernte, schrieb sie Rollen aus Dramen, Vaudevilles, Melodramen ab und übte sie ein. Jermolowas Vater ließ sie 1866 in seiner Benefizvorstellung im scherzhaften Vaudeville „Der beste Bräutigam“ mit dem Gesang von D.T. Lenski spielen. 1871 bestand Jermolowa die Abschlussprüfung und wurde in die Schauspielertheatertruppe des Maly-Theaters aufgenommen. Vor der offiziellen Immatrikulation bekam sie schon Rollen und spielte sie mit Erfolg. 1876 inszenierte Jermolowa zu ihrer ersten Benefizvorstellung das Stück „Laurencia in Lope de Vegas“ von Fuente Ovejuna, das zu diesem Anlass von S.A. Jurjew ins Russische übertragen wurde. Die Rolle von Laurencia wurde zum Jermolowas Triumph, wobei sie eine ganz neue Richtung im Spielplan des Maly-Theaters anwies – die „Epoche der Romantik“. Die Vulkanausbrüche der Gefühle vereinten sich im Schaffen der Schauspielerin mit der strengen Darstellung, voller lyrischer Stimmung, Aufrichtigkeit, Wärme, Ehrlichkeit. Die Kraft des heroischen Pathos von Jermolowa, die Stärke ihrer tragischen Begabung traten besonders scharf in der Rolle von Johanna d’Arc („Die Jungfrau von Orleans“ von Schiller). Jermolowa strebte lange Jahre die Abschaffung des Zensurverbots an. Sie wollte das Stück zu ihrer Benefizvorstellung inszenieren. 1884 trat Jermolowa zum ersten Mal in dieser Rolle auf und spielte sie im Laufe der 18 Jahre. Indem Jermolowa ihre Richtlinie bezüglich des Spielplan des Maly-Theater verteidigte, strebte Jermolowa im Jahr 1886 die Erlaubnis an, die Tragödie von Schiller „Maria Stuart“ zu ihrer Benefizvorstellung zu inszenieren und spielte in diesem Stück die Hauptrolle. Jermolowa trug oft auf der Bühne Gedichte vor. In ihrem Repertoire war die Lyrik von A.S. Puschkin, M.J.Lermontow, N.A.Nekrasow, I.S.Nikitin, J.P.Polonski und anderen.

Im Herzen von Twerskoi-Boulevard befindet sich ein ordentliches Einfamilienhaus, eines der Zeugen des altehrwürdigen Moskau. Wenn man in dieses Museumshaus eintritt, scheint es, als ob die Zeit für eine Weile sillstehe: sie gehen durch die Aneinanderreihung von Zimmern durch, der Museumsführer erzählt eine hinreißende Geschichte über die große russische Schauspielerin Marija Nikolajewna Jermolowa und über ihr echtes „Leben in der Kunst“. Es scheint, als ob irgendwo in der Nähe mit leichten, unhörbaren Schritten die berühmte Hausbesitzerin selbst im Haus herumgehe…

Im Haus harmonieren auf eine wunderbare Weise die Züge des Klassizismus Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Jugendstill des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Traditionen wurden hier sorgfältig gepflegt. Nach dem Ankauf des Hauses wechselten M.N.Jermolowa und ihr Ehemann, der berühmte Rechtsanwalt N.P.Schubinski, weder die Ausstattung noch die Farbe der Wände. Bis heute blieben „vielfarbige“ Zimmer im Geiste der Mode des 18. Jahrhunderts: das gelbe und grüne Gästezimmer, die glänzende weiße Halle, in dem Maler W.A. Serow das berühmte Porträt von Jermolowa malte.

Das Museumshaus von M.N.Jermolowa ist ein Theaterörtchen. Hier werden die altehrwürdigen Anschläge von Theaterstücken, Requisiten, Entwürfe von Kostümen und echte Kostüme aufbewahrt. In einem von denen – im eisernen Kettenpanzer mit dem Degen – spielte Jermolowa ihre legendäre Jeanne d’Arc und in anderem – in dem strengen schwarzen Kleid à la „Turgenews Fräulein“- las sie feurige Gedichte von N.A.Nekrasow vor den jubelnden Studenten.

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