Russische Ikone

Das Wort “Ikone“ bedeutet übersetzt aus dem Griechischen „Gestalt, Heiligenbild“. Das System von Kunstgriffen in der Ikonenmalerei bildete sich zum 9. – 10. Jahrhundert in der Byzanz. Gerade aus der Byzanz verbreitete sich wahrscheinlich die neue Ikonenart: Die Vitaikone, wo in der Mitte eine Heiligengestalt oder eine Heiliger abgebildet, und an den Ikonenrändern in Stempeln (kleinen malerischen Kompositionen) die Szenen aus dem Leben des Heiligen dargestellt sind. Aus der Byzanz kamen die Vitaikonen nach Italien, auf den Balkan, nach Rus (Altrussland) und in den Kaukasus. Die Ikonenmalerei spielte eine wichtige Rolle im alten Rus, wo sie zu einer der bedeutendsten Formen der Bildkunst wurde. Die frühesten altrussischen Ikonen wiesen die Traditionen der byzantinischen Ikonenmalerei auf, es entstanden aber sehr schnell in Rus eigenständige Zentren und Schulen der Ikonenmalerei: In Moskau, Pskow, Nowgorod, Twer usw. Es erschienen auch eigene russische Heilige und eigene Kirchenfeste, die in der Ikonenmalerei auch ihre markante Abbildung fanden.

1. Museum der russischen Ikone ist die in Russland einzige private Kollektion byzantinischer und altrussischer Kunst, die offiziell in ein öffentlich frei zugängliches Museum umgewandelt wurde, dies ist nicht nur die größte und nach dem Wert der präsentierten Werke bedeutendste private Sammlung, die fast 4500 Aufbewahrungseinheiten zählt, sondern auch nach dem Inhaltsumfang umfassendste, die durch ihren chronologischen Raum beeindruckt. Sie beinhaltet die Werke der bedeutendsten künstlerischen Zentren ostchristlicher Kunst: Von antiken und spätrömischen Stücken, die Grundlage für die byzantinische Bildlichkeit darstellen; frühchristlichen und eigentlichen byzantinischen Raritäten aus dem VI.–XIV. Jahrhundert, wo manche Artikel einzigartig sind, ohne Analogen sogar in den reichsten Sammlungen staatlicher Museen; griechischen und nachbyzantinischen Denkmälern; Werken äthiopischer Kultur; – bis auf die russische Ikonenmalerei, welche den Schwerpunkt der Kollektion bildet und eine äußerst große Periode umfasst, vom XIV. Jahrhundert bis Anfang des XX. Jahrhunderts.

Kleinplastikstücke aus dem XII.−XVI. Jahrhundert geben uns eine Vorstellung über die Eigenart und die Besonderheiten der altrussischen angewandten Kunst. Äußerst selten für die Privatsammlungen ist ein Werk der Oberstickerei aus dem XVI. Jahrhundert, sehr gut erhalten und fabelhaft in Ausführung.

Im Museum finden täglich kostenfreie Übersichts- und Themenexkursionen für alle Interessenten statt, arbeiten auf ständiger Grundlage Wissenschaftsberater, funktioniert ein Vortragssaal, werden Konzerte und Präsentationen veranstaltet.

2. Abteilung der Ikonenmalerei in der Tretjakow-Galerie. Nach der Revolution 1917 existierte die Abteilung der altrussischen Kunst (so hieß ein Teil der Exposition der Tretjakow-Galerie) bis die Reorganisierung der Galerie im Jahre 1923. Zu jener Zeit bestand die Kollektion der Ikonenmalerei der Galerie aus 70 Ikonen und einer Parsuna (Portrait im Ikonenstil). Eine systematische Exspeditionsarbeit der Abteilung der altrussischen Kunst begann an der Wende von den 1950-er zu den 1960-er Jahren. Die Expeditionsrouten waren nicht nach Zufallsprinzip ausgewählt, diese wurden so geplant, um die früher nicht untersuchten Gebiete und Zentren abzudecken, deren Altkunst nicht ausreichend voll erforscht oder überhaupt nicht in der Sammlung der Galerie präsentiert wurde. Dies waren Gebiete Rjasan, Nischny Nowgorod, eine Reihe von Landkreisen in Gebiet Wladimir, Nordterritorien der Altfürstentümer des nordöstlichen Rus. 1961 nahmen die Mitarbeiter der Galerie an der Expedition des Museums von Archangelsk in die Gebiete Rjasan und Kostroma, sowie nach Weliky Ustjug teil. Die Kollektion der altrussischen Kunst wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte ergänzt, unter anderem dank reichlichen Geschenken.

Die Kollektion der Ikonenmalerei in der Staatlichen Tretjakow-Galerie gilt mit Recht als eine der besten Sammlungen in der Welt. Die Sammlung der altrussischen Kunst der Tretjakow-Galerie wird auch heute noch ergänzt: Durch Kauf oder Geschenke von Privatpersonen. Jetzt zählt die Kollektion des Museums schon über sechstausend Aufbewahrungseinheiten: Ikonen, Fragmente von Fresken und Mosaiken, Skulpturen, Kleinplastikstücke, Gegenstände angewandter Kunst, Freskenkopien.

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