M.Gorky-Hausmuseum

Das Wohnhaus wurde 1900-1903 nach Auftrag des Bankiers und Fabrikanten S.P. Rjabuschinsky gebaut. Stepan Pawlowitsch war der große Schätzer und Kenner der Kunst, deswegen beauftragte er mit der Errichtung des Hauses seinen nahen Freund — Architekten F.O. Schechtel, der sowohl Innenausstattung als auch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes vollkommen projektierte. Der Bildträger des Gebäudes ist mit glasuriertem Backstein und Mosaik verkleidet. Innengestaltung des Hauses ist rational projektiert, Innenraum wird sparsam genutzt und mit Buntglasfenstern ausgeweitet. Die Komposition von Räumlichkeiten gruppiert sich um die 12 Meter lange Prunkwellentreppe.

Schechtel war Bekenner des architektonischen Symbolismus, durch Vereinigung der Besonderheit des Jugendstils mit der Berücksichtigung von Interessen der Hausbesitzer schuf er eine Gestaltenwelt mit dem allgemeinen Thema „das nasse Element“: Wellentreppe ist ein Zeichen für die ewige Lebensbewegung, Lilien und Salamander am Säulenkapitell neben dem heimlichen altgläubigen Gebetsraum – ein Zeichen für Kampf des Guten mit dem Bösen usw. Im Dekor finden Anwendung viele Pflanzenmuster, Abbildungen von Insekten, Tieren aus der Über- und Unterwasserwelt: Schildkröten, Medusen, Seepferdchen, Muscheln u.a.m. Die Vorraumfenster sind mit Buntglas in Form eines großen Schmetterlingflügels dekoriert, Bodenmosaik bildet Seegang ab, das Stuckrelief ähnelt einem mit Entenflotten überzogenen Teich mit einer ungeschickten Schnecke.

In diesem Haus hielt S.P. Rjabuschinsky die berühmte Werkstatt für Ikonenrestaurierung. 1917 musste die Rjabuschinsky-Familie auswandern, ein Teil der gesammelten Ikonen wurde in die Tretjakow-Galerie übergeben. Seit 1919 war hier Gosizdat (staatliche Verlagsorganisation), seit 1925 bis 1931 — die Allunionsgesellschaft für Kulturbeziehungen mit Ausland. In diesen Jahren gingen Möbel und Beleuchtungsgeräte verloren, die nach Schechtels Skizzen ausgeführt wurden, es wurden die Lüftungssystem zerstört und ein einzigartiger Kamin aus karrarischem Marmor abgebaut, der sich in Speisehalle befand.

1931 wurde das Wohnhaus zur Verfügung von Maksim Gorky übergeben, wo später sein Museum eröffnet wurde.

Gorky selbst nahm an der Auswahl seiner Unterkunft nicht teil und äußerte keinerlei Wünsche. Einmalige Buntglasfenster, Parkett aus Edelholzarten, malerische Decken, prachtvolle Kronleuchter, Stuckkatur — das Haus in Malaja Nikitskaja stimmte mit dem Geschmack des Volksschriftstellers nicht ganz überein. Gorky wohnte im Haus in Malaja Nikitskaja den Rest seines Lebens, bis zum Jahre 1936. Er besetzte das Erdgeschoss: Es war für den kranken Schriftsteller schwer, die 12 Meter lange Treppe hinaufzusteigen. Und oben wohnten seine Familienangehörige — der Sohn Maksim Alekseewitsch mit der Frau Nadeschda Alekseewna und die Enkelinnen Marfa und Daria.

Das größte Zimmer diente als Speiseraum und Gastraum. Der feste Platz von Gorky am Tisch ist mit dem Teebesteck ausgezeichnet. Gefrühstückt wurde gewöhnlich im engen Familienkreis, lebhafter wurde hier zum Mittagessen oder am Abendteetrinken. Da fanden Treffen von Gorky mit zahlreichen Gästen, insbesondere mit Schriftstellern und Künstlern statt; es wurde viel diskutiert über die damalige literarische Manier, die „sozialistischer Realismus“ bezeichnet wurde.  Fast alle bekannten Schriftsteller aus den 1930-er Jahren waren bei Gorky zu Besuch — sein Haus gilt als Ersatz für einen Autorenklub.

In seinem Arbeitszimmer verbrachte der Schriftsteller die Morgenstunden von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags, indem er die produktivste Zeit der Arbeit an seinen Werken widmete. Dieses Zimmer spiegelt mehr als die anderen den Geschmack von Aleksei Maksimowitsch ab. Der Raum sah ähnlich wie die Arbeitszimmer des Schriftstellers dort, wo er wohnte, aus: In Sorrento/ Italien, in Tesseli auf der Krim, auf der Datsche in Gorki bei Moskau. Am Nachmittag arbeitetet hier Gorky an Schriftstücken von neueinsteigenden Autoren, antwortete auf die Briefe zahlreicher Korrespondenten, machte Redaktionsarbeit für die Ausgaben unter seiner Leitung. Den Wänden entlang stehen die Schränke, wo die nach ihren Maßen beeindruckende Kollektion ihren Platz fand — Gorky sammelte Schnitzstücke aus Bein von Meistern des XVIII. – XX. Jahrhunderts (Netski).

Im Schlafzimmer gibt es nur das notwendigste. Schlafzimmergarnitur war ein gelegentlicher Erwerb bei der Möblierung des Hauses und entspricht nicht den Neigungen des Schriftstellers. Im Schrank und in der Kommode sind persönliche Sachen und Kleidung von Aleksei Maksimowitsch.

Nach seiner Bitte wurde ein Eckbücherregal gehängt, wo er die Bücher für das tägliche Abendlesen aufstellte. Am Nachtschränkchen neben dem Bett steht das Foto der älteren Enkelin von Aleksei Maksimowitsch, Marfa. Dies ist eine der letzten Fotoarbeiten seines Sohns – Maksim Alekseewitsch, er starb am 11. Mai 1934. Diesen Verlust konnte Gorky praktisch nicht aushalten und lebte nur zwei Jahre länger als sein Sohn.

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