Das Museumshaus von A.N. Ostrowski

Das Museum befindet sich im Haus, wo Dramatiker Ostrowski geboren wurde. Das Holzhaus – das Kulturdenkmal Anfang der 20er Jahren des 19. Jahrhunderts liegt in Samoskworetschje, in einem der seltenen Orte vom heutigen Moskau, wo der Charme und die Behaglichkeit des altehrwürdigen Alltagslebens erhalten blieben. Um den städtischen Gutshof von Ostrowski herum ist ein prächtiger Garten angelegt, der vom frühen Frühling bis in den späten Herbst in voller Blüte steht. Und die Zimmer des Holzhauses, wo das ein bisschen verdunkelte, sanfte Licht scheint, bewahren die Atmosphäre des ruhigen, gemessenen Lebens. Die Museumssammlung besteht aus Privatgegenständen des Dramatikers und seiner Familie, der Freunden-Schauspieler; aus Gegenständen der materiellen Kultur Russlands des 19. Jahrhunderts. Zur Sammlung gehören auch die Ausstellungsobjekte, die die Geschichte von Moskau widerspiegeln, insbesondre die Geschichte von Samoskworetschje.

Die Exposition des Erdgeschosses im Museumshaus besteht aus dem Arbeitszimmer, dem Schlafraum und dem Roten Gästezimmer. Die Holztreppe mit handgeschnitzten Geländerdocken führt aus der Hausdiele des Erdgeschosses in den ersten Stock, wo der Besucher quasi ins alte Moskau gerät. Auf den Bildern und Gravüren aus jener Zeit ist die Ansicht des Kremls vom Bolotnaja-Platz aus gesehen, des Alexandergartens, der Kuznetzki Most-Straße, Marjina Roschja (das Marjas Gehölz), des Petrowski Parks. Eines der Zimmer ist der Bühnengeschichte des Stückes „Gewitter“ gewidmet. Hier sind auch die farbigen Kostümentwürfe und die Bühnenbilder von A. Golowin zur besten Aufführung vom „Gewitter“ ausgestellt, die 1916 auf der Bühne des Alexandrinski-Theater stattfand.

Die Exposition erzählt über die Bühnenverkörperung der Stücken von A.N. Ostrowski auf der Bühne des russischen Theaters. Dazu gehören Bühnenbilder- und Kostümentwürfe, Porträtaufnahmen der Schauspieler, Anschläge, Handschriften. Die Zeitgenossen nannten Ostrowski „der Ritter des Theaters“. Tiefe Kenntnisse des Alltagslebens der Schauspieler, des Bühnenlebens, der Psychologie der Schauspieler half ihm die dem Thema „das Theater“ gewidmete Stücke zu schaffen. Die einschlägige Halle der Exposition ist der Bühnenverkörperung der Stücke von Ostrowski auf der Bühne des postrevolutionären Theaters gewidmet. Unter der angebotenen Aufführungen sind die Stücke der Sowjet- und Weltregisseure: K.Stanislawski, W.Nemirowitsch-Dantschenko, Ws.Meyerhold, A.Tairow.

Alexander Nikolajewitsch Ostrowski wurde am 31. März (12. April) 1823 in Moskau geboren. Er wuchs in Samoskworetschje, im kaufmännischen Umfeld auf. Sein Vater hatte eine private Gerichtspraxis. Ostrowski schloss ein Gymnasium ab. Danach studierte er an der juristischen Fakultät der Moskauer Universität, das er 1843 aufgab. Von 1843 bis 1851 war er bei Gerichtsbörden angestellt, indem er verschiedene Ämter bekleidete. Sein Hausumfeld und seine Arbeit deprimierten den jungen Mann, aber gerade hier sammelte er die reiche Lebenserfahrung und bekam den unschätzbaren Stoff für seine ersten Stücke.

Er fing an, früh zu schreiben. Eines seiner ersten veröffentlichen Stücke ist „Es bleibt ja in der Familie“ („Bankrott“), das 1850 verlegt wurde, machte einen starken Eindruck auf das lesende Publikum. Unerwartet war hier fast alles: eine kaufmännische Familie, in der sich die Handlung abspielt, die lebhafte, reiche und wohl im Leben abgelauschte Sprache der Helden. Und natürlich das Sujet an sich.

Ostrowski arbeitete aktiv, indem er jährlich ein neues Stück herausgab. Die Beliebtheit seiner Stücke nahm weiter zu, trotz der unveränderlichen, misstrauischen Einstellung der Regierung gegenüber ihm und trotz der Vorwürfe der Anhänger sowohl der hohen, als auch der „bezichtigenden“ Kunst. Auch seine Beziehung zum Maly-Theater entwickelt sich weiter, wo viele Schauspieler die bahnbrechenden Ideen von Ostrowski teilen. Nicht umsonst wurde der größte Teil der Stücke zum ersten Mal genau auf dieser Bühne aufgeführt.

Im Laufe der folgenden zehn Jahren nach der Erscheinung vom „Gewitter“ (1859) arbeitete Ostrowski viel und erfolgreich. In den 60еr und 70er Jahren wich er von der Dramatik der Stücke „Ein einträglicher Posten“ und „Gewitter“ ab und kehrte zur poetischen Beschreibung des Lebens der einfachen Menschen zurück. Trotz der Vaudeville-Stimmung der Stücke gelang es ihm, lebhaft und frisch das so gut bekannte Leben von Samoskworetschje zu schildern.

Während dieser Jahre schafft Ostrowski eine Reihe von historischen Stücken „Kozma Saharjitsch Minin-Suhoruk“, „Woiwode“, Dimitri Samozwanetz (der falsche Dimitri) und Wassili Schuiski“ und andere. Sie erwiesen sich als nicht so beliebt und theatralisch im Vergleich zu seinen anderen Stücken. Die Hinwendung zur Geschichte war aber für Dramatiker sehr wichtig. Ostrowski versuchte darin die Wurzeln jener Großzügigkeit und Reinheit des russischen Charakters zu finden, die er in seinen „modernen“ Stücken ständig glorifizierte. Das liebevolle und gehobene Verhalten zur Volkskultur trat im dramatischen Poem „Schneeflöckchen“ hervor. Beim Schreiben der Geschichte über das Schneeflöckchen, das ihr Leben für Liebe aufopferte, griff Ostrowski auf die Volksmärchen und Volkslieder zu. Obwohl das Stück keinen besonderen Erfolg hatte, erwarb die auf seiner Grundlage komponierte Oper von Rimski-Korsakow große Beliebtheit.

Im letzten Jahrzehnt des Lebens wird das Schaffen von Ostrowski immer mehr tragischer. Er schrieb solche Werke wie „ Braut ohne Mitgift“ (Bespridannitza), „Talente und Verehrer“. Die mit der Theaterwelt verbundenen Figuren treten in vielen Stücken von Ostrowski auf, und das hat seine Gründe. Er nahm sich immer Sorgen und Freude des russischen Theaters zu Herzen. Die rechtlose Lage der Schauspieler der Kaiserstheater entsetzte ihn, außerdem ihre Abhängigkeit von Beamten, der bettlerische Dienstlohn und harte Arbeit, unter anderem die Unwissenheit vieler Darsteller, ihr mangelndes Interesse am Stück im Großen und Ganzen. Ostrowski probte oft selbst seine Stücke mit Schauspielern, indem er versuchte, bei ihnen Verständnis zu finden, eine tiefere Darstellung, die dem bahnbrechenden Charakter der Stücke entsprechen würde, zu erzielen. Es gelang bei Weitem nicht immer. Ostrowski hoffte, den Spielplan zu gestalten, der aus ernsten Stücken bestehen würde, ohne dabei die Kunst der höheren Einnahmen zuliebe vernachlässigen zu müssen. Er träumte auch von der Wiedergeburt der Theaterschule, die die professionellen Schauspieler vorbereiten sollte. Der Tod am 2 (14) Juni 1886 gestattete ihm indessen die Ausführung dieser Reformen nicht mehr.

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