Das Museum für Volksgrafik

Das Museum liegt im historischen Viertel von Moskau, wo einmal die einmalige Bild- und Druckkunstarten entstanden. Im 17. Jahrhundert wurde dieses Gelände die Meschjanskaja Sloboda (bürgerliche Siedlung) genannt und hier in der Sretenka-Straße wohnten nicht nur Buchdrucker. Im Anfang des 17. Jahrhunderts hausten in Sretenskaja Sloboda die Vertreter der 32 Berufe. Das Andenken an den hier einmal gewohnten Handwerker verbleibt in den Namen der Gassen von Sretenka: Petschatnikow (Druckergasse), Kolokolnikow (Glockenmachergasse), Puschkarjow (Kanonenmachergasse), Mjasnoi (Metzgergasse), Proswirin (Prosphoragasse) und in den Kirchennamen: Kirche von der Mariä-Himmelfahrt in Petschatniki (im Gebiet der Drucker) und Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Listach (in Blättern). Die Benennung „Listi (Blätter)“ stammt von Lubok-Bildern (Lindenholztafel), die von Druckern am Kirchenzaun zum Verkauf ausgestellt wurden.

Das Lubok ist ein russischer Volksbilderbogen. Die Bild- und Druckkunst, nebenbei auch die polygraphische Kunst entstanden in der Mitte des 16. Jahrhunderts gleichzeitig mit der Erscheinung des Buches vom Erstdrucker Iwan Fjodorow „Apostol“, 1564. Das Lubok, das zur traditionellen Form der Volksgravüre wurde, entstand als das Bildchen-Alphabet, das Bildchen-Erzählung. Die Erzählung in Bildform mit dem erläuternden Text ist charakteristisch für manche Länder des Orients und Westens. Sie erwarb sich aber nur in slawischen Ländern die Volksliebe, entwickelte sich und etablierte sich als eine traditionelle Kunstart und wurde in dieser Eigenschaft außerhalb Russlands bekannt.

Im Jahre 1627 gab das Lubok sein Debüt als religiöse Kunst. Der belarussische Handwerker Wasilij Koren, indem er in Meschjanskaja Sloboda einsiedelte, schuf seit 1678 die 36 Blätter der Erzählung über die Schöpfung der Erde, die „die Bibel für die Armen“ (1692-1696) genannt wurde. Unter dem Wort „die Armen“ verstand man damals diejenige, die nicht lesen und schreiben konnten. Die Thematik vom Lubok verbreitete sich und wurde nicht nur religiös, sondern auch ungeistlich. Die Lubokmeister wendeten sich den Helden des russischen Epos, den Ritterromanen, den Geschichten des Alltagslebens zu. In der eigängigen Sprache, lebhaft und humorvoll, bildete das Lubok die Szenen des Stadt- und Dorflebens, auch die Feste ab, es führte die Beispiele der Volkspoesie und Apologe vor, erzählte lustige Geschichten. Das Lubok ist der Prototyp für die modernen Massenmedien, es wendete auch der Politik zu und es verwendete auch die satirischen Allegorien. Dabei wurden einige gekrönte Häupter ausgelacht, auch selbst Peter I, der in Rus damals westliche Bräuche einführte („Wie die Mäuse den Kater beerdigten“). Das Lubok ist eine verbindende Kunstart der slawischen Völker, die die gemeinsame Geschichte, das Alltagsleben, Rituale, die Volkspoesie, Bräuche, die Sprachverwandtschaft vereinigt.

Im Museum sind Lindenholztafeln des russischen Volks ausgestellt. Die Besucher werden mit der Geschichte der Entwicklung vom Lubok bekannt gemacht, und auch mit verschiedenen seinen Arten. Das sind geistliche, historische, gesangartige, satirische, dekorative, belehrende Art.

Der Bestand des Museum umfasst nicht nur das Lubok, sondern auch originelle Grafik (Zeichnungen) und Stich- und Schnittgrafik. Das Museum verfügt über die Sammlung vom modernen Lubok zum alkoholgegnerischen Thema. Seinerzeit, im Jahr 1989 wurde vom Team des „Ateliers für Volksgrafik“ die Ausstellung „Alle zusammen gegen Sauferei“ geschaffen, die als die Antwort auf die Anordnung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion galt. Ein kleiner Teil der Werke befindet sich in der Reserve und wurde auch ausgestellt. Das ist die Sammlung der Werke, die der Familie des russischen Zaren Nikolaus II. der Romanows gewidmet ist. Der Genealogie von Rurikiden ist der Kalender gewidmet, der vom Museum auf der Grundlage der Raritäten von Lubokwerken herausgebracht wurde. Der Kalender heißt „Große Fürsten und Zaren Russlands“ 1870.

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