Das Haus-Museum von F. I. Schaljapin

Fjodor Iwanowitsch Schaljapin (1873 — 1938) war ein russischer Opernsänger in der Stimmlage Bass, Volkskünstler der Republik (1918). Er wurde in der Familie des kleinen Kanzleibeamten geboren. Schaljapin arbeitete als Schuhmacherlehrling, Dreherlehrling und Abschreiber. In dieser Zeit sang er auch im Kirchenchor. Von Jugend auf schwärmte er sich für das Theater, seit 1890 wurde er Chorist im Sängerensemble in der Stadt Ufa. Von 1892 bis 1893 nahm er beim Opernsänger D.A.Usatow Gesangsunterricht in Tiflis, wo er seine professionelle Bühnentätigkeit begann. In der Spielzeit von 1893 bis 1894 sang er die Partie von Méphistophélès in Gounods Faust, des Müllers in „Russalka“ von Dargomyschski und viele andere. 1895 wurde er ins Ensemble des Mariinski-Theaters aufgenommen. 1896 auf Einladung von C.I.Mamontow trat er in der Moskauer Privaten Russischen Oper auf, wo sich seine Begabung entfaltete. Die Unterrichte von S.W.Rachmaninow und die spätere Künstlerfreundschaft mit ihm prägten Schaljapin sehr.

Der große Erfolg hatte Schaljapin bei der Gastspielreise der Moskauer Privaten Russischen Oper in Petersburg im Jahr 1898. Seit dieser Zeit förderte W.W.Stasow seine Kunst, der dem Sänger eine Reihe von Artikeln widmete. Seit 1899 sang er gleichzeitig im Bolschoi- und Mariinski-Theater und auch in den Landstädten. 1901 erlebte er einen Triumph beim Auftritt in Italien (im Teatro alla Scala), danach folgen seine ständigen Gastspielreisen im Ausland, die dem Sänger den Weltruhm brachten. Die besondere Bedeutung hatte für Schaljapin die Teilnahme an „russischen Seasons“ in Paris (1907-1909) und in Italien (1913). Dort galt er als der Propagandist der russischen Kunst, vor allem des Schaffens von M.P.Mussorgski und N.A.Rimski-Korsakow.

Den großen Einfluss auf die Bildung der künstlerischen Prinzipien von Schaljapin übte die Freundschaft mit Maxim Gorki aus, die im Jahr 1901 begann. Dank dieser Freundschaft hatte der Sänger den Umgang mit den zukunftsorientierten gesellschaftlichen Kreisen, er sang für die Arbeiter, trug revolutionäre Lieder vor. Nach der Revolution war Schaljapin der künstlerische Leiter des Mariinski-Theaters (1918). Im Jahr 1922 ging er auf Gastspielreisen ins Ausland. Schaljapin kehrte in die Sowjetunion nicht zurück, er blieb in Paris.

Einer der größten Vertreter der russischen Vokalschule, der “tief nationale” Künstler brachte Schaljapin russische realistische musikalische dramatische Kunst auf das höchste Niveau. Er vereinte in seiner Person die Begabung des Sängers und dramatischen Schauspielers. Die von ihm geschaffenen Gestalten zeichneten sich durch die Einheitlichkeit der vokalen und theatralischen Struktur aus. Der Sänger besaß die seltene Gabe: die Wandlungsfähigkeit. Die hervorragende sanfte und schöne Stimmlage des Sängers (der hohe Bass), die in sich die Herzlichkeit des Klanges mit der Tiefe und der Stärke vereinigte, ließ die vielfältige Palette von Emotionen zum Ausdruck bringen: von der traumhaften, gefühlstiefen Sanftheit bis zum Tragödienpathos und dem scharfen Sarkasmus.

Nowitzki Boulevard war die letzte Adresse des Sängers in Moskau. Genau hier im Mai 1910 kaufte er ein Einfamilienhaus an, das Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Das nach dem Brand im Jahr 1812 erhalten gebliebene Gebäude lockte die Aufmerksamkeit von Schaljapin aus vielen Gründen an. Sowohl der Bezirk als auch das Haus haben die reiche Geschichte und sind von Legenden umwoben, über die Schaljapin bestimmt Bescheid wusste.

Am 23. September des Jahres 1988 fand die Eröffnung des Haus-Museums von F.I.Schaljapin statt. Dieses Haus lebt heute das sehr inhaltsvolle künstlerische Leben. Hier geben Konzerte sowohl herausragende Meister der Gegenwart als auch junge Interpreten. Im Museum werden auch Wettbewerbe, Festivals, Konferenzen durchgeführt. Alles ist hier vom Namen des großen Künstlers geprägt. Im Museum kann man durch die Zimmer des Einfamilienhauses gehen und die Besichtigung machen, die Vorlesungen besuchen und sich die aufgenommenen Konzerte anhören.

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