Bolschoi-Theater

Das Bolschoi-Theater Russlands war immer und bleibt auch heute nach wie vor eines der Hauptsymbole unseres Staats und seiner Kultur. Dies ist das wichtigste nationale Theater Russlands, Träger von Traditionen der russischen und Mittelpunkt der internationalen Musikkultur, es trägt zur Entwicklung der Theaterkunst des Landes bei. Für ausländische Zuschauer, die speziell nach Moskau reisen, um die Aufführungen des Theaters zu besuchen, und seine Gastspiele im Ausland besuchen, bietet das Bolschoi-Theater eine breite Palette des Erbes der russischen Klassik an, indem es neue Vorstellungen über die Entwicklung der musikalischen Theaterkunst in Russland bildet.

Am 28. März (am 17. nach dem alten Stil) 1776 verlieh Ekaterina die II. dem Staatsanwalt Fürsten Pjotr Urusow für zehn Jahre das „Vorrecht“, Spielaufführungen, Maskenfeste, Bälle und sonstige Lustbarkeiten zu unterhalten. Dieses Datum gilt als das Datum der Gründung des Moskauer Bolschoi-Theaters.

Schon im Jahre 1805 brachte man das Vorhaben ein, in Moskau eine Theaterdirektion „in dem Bilde und nach dem Gleichnis“ der Petersburger Direktion zu schaffen. 1806 kam dieses zustande, somit erhielt das Moskauer Theater den Status des kaiserlichen und fiel unter Leitung der einheitlichen Direktion der kaiserlichen Theater.

1819 wurde ein Wettbewerb für das Projekt eines neuen Theatergebäudes an der Stelle des gebrannten verkündet. Es gewann das Projekt des Professors der Kunstakademie Andrei Michailow, das jedoch als zu teuer beurteilt wurde. Infolgedessen verordnete der neue Moskauer Gouverneur Dmitriy Golitsyn dem Architekten Osip Bowe, dieses zu berichtigen, was der letztere auch machte, dabei mit bedeutender Verbesserung.

Im Juli 1820 begann die Errichtung eines neuen Theatergebäudes, das zum Schwerpunkt der baustädtischen Komposition des Platzes und der anliegenden Straßen werden sollte. Die Fassade, verziert mit einem mächtigen Portikus auf acht Säulen mit einer großen Skulpturgruppe – Apoll in seinem Wagen mit drei Pferden – „schaute“ auf den in Bau befindlichen Theaterplatz (Teatralnaja Ploschtschad), was zu dessen Ausschmücken beitrug.

Am 6. Januar 1825 wurde das neue Theatergebäude feierlich eröffnet. Auf dessen Bühne spielte man nach wie vor dramatische Stücke, im Spielplan begannen jedoch Opern und Ballett immer mehr Zeit zu gewinnen. Es wurde Werke von Donizetti, Rossini, Meyerbeer, jungem Verdi aufgeführt, von russischen Komponisten waren es Werke von Werestowski und Glinka. Das Gebäude von Bolschoi-Petrowski-Theater (frühere Bezeichnung von Bolschoi-Theater, mit Hinweis auf den Namen der anliegenden Straße Petrowka) stand fast 30 Jahre. Sein Ende war aber ebenso traurig: Am 11. März 1853 kam es zu einem Brand im Theater, der drei Tage dauerte und alles Mögliche vernichtete. Verbrannt wurden Theatermaschinen, Theaterkleidungen, Musikinstrumente, Noten, Bühnendekorationen… Praktisch zur Gänze zerstört war auch das Gebäude selbst, von dem nur abgebrannte Mauern und Portikussäulen übrigblieben. Wideraufbauarbeiten verliefen rapide. Im Mai 1855 wurde die Aufräumung von Ruinen beendet und man begann, das Gebäude wieder aufzubauen. Im August 1856 öffnete es schon seine Türen für das Publikum. Solch eine Eile ließ sich dadurch erklären, dass die Bauarbeiten zu den Feierlichkeiten anlässlich der Krönung des Kaisers Aleksander des II. beendet werden mussten.

Das Bolschoi-Theater, praktisch neu gebaut, dabei mit sehr wesentlichen Änderungen im Vergleich zum früheren Gebäude, wurde am 20. August 1856 mit der Oper „Puritaner“ von V.Bellini eröffnet. Obwohl Portiken und Säulen von Bowe erhalten blieben, änderte sich das Erscheinungsbild der Hauptfassade sehr bedeutend. Es kam noch das zweite Frontispiz hinzu. Dreigespann mit Apoll wurde durch Quadriga, ausgegossen in Bronze, ersetzt. Im Innenfeld des Frontispizes erschien ein Alabasterflachbild, das fliegende Genies mit Lyra darstellte.

In der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts galt das Bolschoi-Theater nach seinen Schalleigenschaften als eines der besten in der Welt. Dies war der Meisterschaft von Alberto Cavos zu verdanken, der den Zuschauersaal als ein riesiges Musikinstrument projektierte. Resonanzfähige Fichtenholzpaneele dienten zur Verkleidung der Wände, statt einer Eisendecke wurde eine hölzerne gemacht, und das malerische Deckenstück wurde aus Holzschildern zusammengestellt – in diesem Saal arbeitete alles für Akustik. Sogar der Logendekor, ausgeführt aus Papiermache. Zur Besserung der Saalakustik schüttete Cavos zudem die Räume unter dem Amphitheater auf, wo Garderobe war, die Kleiderablagen platzierte er auf der Parterreebene.

Nach der Revolution 1917 schaffte man die Gardinen des kaiserlichen Theaters ab. 1920 machte der Theaterkünstler F.Fjodorowski während der Arbeit an der Oper „Lohengrin“ einen schiebbaren Vorhang aus der mit Bronzenfarbe bestrichenen Leinwand, den man später als Hauptvorhang zu nutzen pflegte. 1935 stellte man nach Skizze von F. Fjodorowski einen neuen Vorhang her, auf dem die Revolutionsdaten ausgewirkt wurden, u.z. „1871, 1905, 1917“. Seit 1955 herrschte im Theater im Laufe des halben Jahrhunderts der berühmte goldene „sowjetische“ Vorhang von F. Fjodorowski — mit ausgewirkten Staatssymbolen der UdSSR.

Wie die meisten Bauten auf dem Theaterplatz wurde das Bolschoi-Theater auf Pfählen gebaut. Das Gebäude veralterte allmählich. Entwässerungsarbeiten sanken das Grundwasserspiegel. Der obere Teil von Pfählen verfaulte, und dies verursachte eine große Absenkung des Gebäudes. 1895 und 1898 wurde eine Reparatur des Fundaments vorgenommen, welche die einsetzenden Beschädigungen für eine Zeit hemmen ließ.

Die letzte Aufführung wurde im Kaiserlichen Bolschoi-Theater am 28. Februar 1917 vorgespielt. Und schon am 13. März eröffnete es als das Staatliche Bolschoi-Theater.

Im April 1941 wurde das Bolschoi-Theater wegen notwendiger Reparaturarbeiten geschlossen. Und in zwei Monaten begann der Große Vaterländische Krieg. Ein Teil der Mitarbeiter des Bolschoi-Theaters wurde nach Kuibyschew evakuiert, und ein Teil blieb in Moskau und spielte nach wie vor die Aufführungen auf der Bühne des Theaters. Viele Schauspieler traten in Frontmannschaften auf, die anderen zogen selbst an die Front. Am 22. Oktober 1941 traf eine Bombe das Gebäude des Bolschoi-Theaters. Die Sprengwelle ging quer zwischen den Portikussäulen, brach die Fassadenwand durch und verursachte große Zerstörungen im Vorraum. Ungeachtet aller Anstrengungen der Kriegsperiode und bitteren Kälte begannen im Theater im Winter 1942 die Reparaturarbeiten. Und schon im Herbst 1943 nahm das Bolschoi-Theater ihre Arbeit mit der Aufführung der Oper von M.Glinka „Leben für den Zaren“ wieder auf.

1960 wurde im Theatergebäude ein großer Probesaal eingerichtet und eröffnet — gleich unter dem Dach, im Raum des ehemaligen Dekorationssaals. Und 1975 wurden zum 200-jährigen Jubiläum des Theaters einige Reparaturarbeiten im Zuschauersaal und im Beethoven-Saal durchgeführt. Die Hauptprobleme – Unstabilität der Fundamente und Knappheit der Räume im Theater wurden jedoch nicht gelöst.

Im 2005 schloss man das Bolschoi-Theater für Restaurierungs- und Umbauarbeiten. Dies ist aber ein einzelnes Kapitel der Chronik des Bolschoi-Theaters.

Im Theatergebäude werden Exkursionen geführt, die Gäste können geschlossene Proben und Montage von Bühnenbildern für Aufführungen, Großen und Kleinen kaiserlichen Saal, wo gewöhnlich Ausstellungen stattfinden, sowie den zweiten Rang, die Hauptloge und den unterirdischen Beethoven-Kombisaal besuchen. Die im Theater stattfindenden Ausstellungen sind den Besuchern während einer Exkursion auch zugänglich.

Das Bolschoi-Theater wurde nach einer langjährigen Rekonstruktion 2011 mit einem feierlichen Gala-Konzert eröffnet.

Das Bolschoi-Theater stellte sogar in vielen Hinsichten sein historisches Erscheinungsbild wieder her, das während der Jahre der Sowjetmacht verlorenging. Der Zuschauersaal und seine Enfilade bekamen wieder die Optik, wie es der Architekt des Bolschoi-Theaters Alberto Cavos beabsichtigte. Die Hallen des ehemaligen kaiserlichen Foyers wurden zum Stand 1895 restauriert, als deren Ausstattung während der Vorbereitung auf die Feierlichkeiten anlässlich der Krönung des Kaisers Nikolai des II. geändert wurden. Man restaurierte die Räume der Enfilade im Zuschauersaal: Haupteingangshalle, Weißes Foyer, Chor-, Expositions-, Rund- und Beethoven-Saal. Jetzt sehen die Moskauer und die Gäste der Hauptstadt restaurierte Fassaden und renoviertes Symbol des Bolschoi-Theaters – die berühmte Apoll-Quadriga, geschaffen vom Bildhauer Pjotr Clodt.

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